krickel_und_krackel

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"Gute Nacht, meine Lieben!", sagte im Hinausgehen die Mutter, als sie eben das Dachzimmer
ihrer Kinder verließ. Um zu plaudern, vorzulesen und zu beten saß sie jeden Abend an den Betten 
ihrer Mädchen und verbrachte ein Weilchen mit ihnen, um danach selbst ihre Ruhe zu haben
oder noch  liegengebliebene Hausarbeit zu erledigen.  "Eine gute Nacht!", murmelte Karina aus
ihrem Bett, sie hatte sich bis zu den Schultern in ihre Decke eingekuschelt. 
"Schlaf du auch schön, Mutti!", antwortete Lina gähnend und schmiegte sich müde noch ein wenig 
fester in ihre Kissen und Decken. Kopf an Kopf schlief die Sechsjährige mit ihrer vierjährigen
Schwester. Dicht beieinander standen die Betten, so dass keines der Kinder sich einsam
fühlen brauchte. Leise ging die Mutter nach unten und es wurde still.
 
1
 
Die beiden Kinder konnten zum Fenster sehen, sie hatten den Blick zum Himmel frei, denn das
Rollo blieb immer ein Stückchen offen , damit das Zimmer nicht völlig dunkel war.
Besonders Karina war sehr froh darüber, sie mochte es gar nicht, wenn es ganz finster wurde.
Die schrägen Wände sorgten für Gemütlichkeit in dem Raum, denn direkt darüber war ja nur
noch das Dach. Regnete es und die Tropfen trafen auf dessen Ziegel, lauschten sie ihnen in
ihren trockenen und warmen Betten ganz andächtig. Tobte und heulte gar der Wind, so fühlten sie
sich sicher, wussten sie doch, dass er draußen bleiben musste. Nur bei Gewitter fassten sie sich bei
der Hand, schlichen in Mutters Schlafzimmer und krochen zu ihr ins große Bett. Dabei
beteuerten sie, dass es ihnen unterm Dach nur zu hell und zu laut sei, nein, Angst hatten sie keine!
 
Beide tuschelten jeden Abend noch so lange, bis Karina schlief. Denn meist war sie es,
die zuerst schlief. Lina ging bereits zur Schule. Sie erzählte gern davon und Karina berichtete vom
Kindergarten. Es war zu schön sich im Bett zu erzählen, was sie am Tag erlebt hatten.Wenn keine
Antwort mehr kam, horchte die große Schwester auf den regelmäßigen Atem der kleineren. Auch sie
verlor dann die Lust am Wachbleiben und folgte ihr ins Traumland.
 
 
Wie sonst wollten sie noch ein wenig flüstern.  Aber was war das? Die Mutter kam eben die 
Treppe wieder herauf. Als sie noch einmal das Nachtlicht anknipste, ahnten die Kinder,
dass etwas Unangenehmes folgen würde.
 
2
 
"Ich habe gemeint",  sagte die Mutter leise und ihre Stimme klang traurig,  "ich hätte zwei
recht vernünftige Mädchen... . Aber gerade habe ich gesehen, dass ihr so gar keine Achtung vor 
meiner Arbeit mit der neuen Tapete habt, mit der ich soviel Mühe hatte. Jede Stufe musste
 einzeln angepasst werden. Gerade ein paar Tage ist es her, dass das Treppenhaus wie neu aussieht.
Ihr fandet es doch auch wunderbar, dass wir wieder ganz helle, saubere Wände haben!." 
 
 
Nun wussten die Mädchen, was die Mutter, die alle Arbeit alleine tat und froh war, endlich diese
anstrengende Kleberei geschafft zu haben,  entdeckt hatte.  In Gedanken sahen sie vor sich, wie sie
leise, Jede mit einem Bleistift in der Hand, nach oben gegangen waren und ganz hastig die frisch 
 geklebte Tapete bekrackelten. Einfach so... Wer von ihnen die Idee hatte, wussten sie nicht mehr so recht.
 War es Karina? Nein, Lina, die größere von ihnen. Oder doch die kleinere Schwester? Aber am Ende
 hatten beide etwas getan, wovon sie wussten, dass es ganz sicher nicht richtig und ziemlich gemein war.
 
3
 
"Eigentlich wollten wir das gar nicht", murmelte Karina und sah hilfesuchend dabei zu Lina, die den
 Versuch, so zu tun, als ob ihre Augen gar nicht mehr aufbleiben könnten, nun doch aufgab.  "Nein",
suchte sie zu retten, was zu retten ging,  "wir wollten die Stifte aufräumen." "Ja",  meinte die Mutter,
"und im Vorbeigehen habt ihr wohl gemeint,  probieren zu müssen, wie denn so ein Bleistiftgekrickel
und -gekrackel auf so einer tollen großenWand aussehen würde, oder?" "Nein, eigentlich nicht",  
  stammelte nun endlich auch Lina mit recht kläglicher Stimme ziemlich kleinlaut.  "Den langen Krickel
mit den vielen Kreisen habe ich aber nicht gemacht!" und ertappt schickte sie noch hinterher:
"Mein Krackel ist nicht so lang und dick!" "Dafür aber ganz und gar eckig!",
ließ sich jetzt gar beleidigt Karina wieder hören.
 
 
"Egal", gab die Mutter zurück, "ob Kreise oder Zickzacklinien, die Schönheit ist wohl nun hin...
Schade. Ich dachte, wir wollten es so lange wie möglich sauber und ordentlich haben!" Und diesmal
ging sie,  ohne nochmal eine freundlich Gutenacht zu wünschen. Die Mädchen lauschten ihren
verhallenden  Schritten, bis es wieder ganz still war. Keines von  ihnen mochte nun noch reden wie sonst.
Sie versuchten zu schlafen, aber irgendwo kamen ihre beiden Herzchen nicht zu der Ruhe,
die sie dafür brauchten.
 
 
Leise schob sich der Vollmond in das dunkle Viereck des Fensters und warf sanfte, silberne
Schatten ins Zimmer. Hatte Lina ihn eben blinkern  gesehen? Er hatte ja ein richtiges Gesicht!
Und je länger sie hinein schaute, um so mehr war sie überzeugt, dass der gute alte Mond tatsächlich
ihr zu zwinkerte! Eben wollte sie Karina fragen, was sie davon halte, aber plötzlich sah sie
etwas, was sie nicht glauben wollte! Und doch war es so!
 
.................. 
 
Mit großen, runden Augen beobachtete Lina das Geschehen wie gebannt und vergaß vor
Schreck beinahe zu atmen!  Was sollte das werden?
 
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Eine Illustration meines Sohnes für meine Erzählung!

Die  Fortsetzung  findest du in dieser Lyrik-Ausgabe

 

 

mit der ISBN:  3-935660-26-X   beim  amicus-mdlverlag 

 

 

 Weitere 15 Mitautor/inn/en kannst du neben mir entdecken und

 

wirst endlich erfahren, wie die Geschichte endet. 

 

Ein herzliches Dankeschön an Frau Inge Maikath für das
nette Miteinander und die Geduld!
  
 
 

 

das copyright der grafik mit dem lesenden mädchen liegt bei sarah kay

 

 



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